Thuner Weihnachtsmarkt 2026
05.12 - 23.12

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Ein Adventsmärchen – Die Geschichte des Thuner Weihnachtsmarktes

Der Thuner Weihnachtsmarkt mit seinen weihnachtlich geschmückten Holzhäuschen auf dem Waisenhausplatz, über die Mühlebrücke bis hin zum Mühleplatz ist aus der Vorweihnachtszeit in Thun kaum mehr wegzudenken. Ein vielseitiges Angebot von handwerklichen und kulinarischen Produkten, Kerzenziehen für jung und alt, eine Tasse Glühwein im Freundeskreis, viele Begegnungen und eine friedliche Stimmung – all dies zeichnet den Thuner Weihnachtsmarkt heute aus.

Doch das war nicht immer so. Die Geschichte des Marktes ist wechselhaft und verlief nicht ohne Hürden – Standorte, Organisationskomitee, Angebotspalette, Dauer und wechselnde Konzepte prägen die letztendlich erfolgreiche Entwicklungsgeschichte. 

1987

Ein holpriger Start

Die Anfänge reichen beinahe vier Jahrzehnte zurück: 1987 stellte die Berner Sektion des Schweizerischen Marktverbandes ein Gesuch für die Durchführung eines Weihnachtsmarktes. Doch die Innenstadtgenossenschaft Thun (IGT) lehnte ab – ein Weihnachtsmarkt ohne Beteiligung der lokalen Geschäfte komme auf gar keinen Fall in Frage.

Ein Jahr später kommt Bewegung in die Sache: Der Thuner Ruedi Zuber, einer der ersten engagierten Köpfe hinter dem Projekt, erreichte gemeinsam mit dem Gemeinderat sowie dem Gewerbeinspektorat und der Marktpolizei eine erste Bewilligung – provisorisch und auf zwei Jahre begrenzt. 

Am 15. Dezember 1988 ist es so weit: Der Thuner Weihnachtsmarkt feiert seine Premiere. An zwanzig Ständen werden Kunsthandwerk, Kulinarisches, Lederwaren, Holzspielzeug und vieles mehr angeboten. Der Markt findet vom 15. bis 22. Dezember und ohne Sonntagsverkauf statt.

1991

Die Suche nach dem richtigen Standort

Nach drei Jahren, im Sommer 1991, beantragen die bisherigen Marktfahrer:innen eine Verlegung auf den Mühleplatz. Die Stadt und die Innenstadtgenossenschaft unterstützen die Idee grundsätzlich, aber wegen schlechter Witterungsverhältnisse wird das Projekt vorerst auf Eis gelegt. Dafür gibt es in diesem Jahr erstmals das Kerzenziehen für alle und einen «Attraktionenstand» mit täglich wechselndem Angebot. 

Auch in den Folgejahren bleibt der Markt auf dem Rathausplatz, wird aber zeitlich verlängert. 1995 ist er auch erstmals während dem Sonntagsverkauf geöffnet.

1996

Wachstum mit Hindernissen

Ein «Massnahmenplan Tourismus» des Gemeinderates fordert 1996 eine mögliche Erweiterung. Sowohl die Marktfahrer:innen wie auch die Kundschaft möchten beim Althergebrachten bleiben – die Grösse wie Sortimentsauswahl seien ideal. Die Zukunft des Marktes wird wegen den immer höheren Infrastrukturkosten kritisch beurteilt. Im selben Jahr steht erstmals hinter dem Rathaus ein barockes Rösslispiel für die Kinder, später eine Dampfeisenbahn. 

2004

Der Wandel beginnt

In den Folgejahren verändert sich zuerst nur wenig. Aber im Jahr 2004 wird das Platzschulhaus beim Rathaus saniert: Not macht bekanntlich erfinderisch und deshalb gastiert der 17. Thuner Weihnachtsmarkt erstmals während 16 Tagen inklusive Sonntage auf dem Waisenhausplatz – ein voller Erfolg.

Dank der grossen Akzeptanz beginnt hier ein neues Kapitel des Adventszaubers. Niemand möchte zurück auf den Rathausplatz. Das OK schaltet 2005 eine eigene Homepage auf und eine Erweiterung über die Mühlebrücke wird angedacht, der Weihnachtsmarkt wird beworben und dadurch auch über die Region hinaus bekannt.

Am 19. Thuner Weihnachtsmarkt im Jahr 2006 nehmen 24 Marktfahrer:innen und gemeinnützige Organisationen teil. Der Kronen-Wirt stellt zudem fünfzehn Hobbyhandwerker:innen seine Gartenwirtschaft zur Verfügung und das OK lanciert an einem Wochenende einen Frischproduktemarkt, um die Altstadt zu beleben.

Doch nicht alle sind zufrieden. Die optische Gestaltung des Marktes – von verschiedenen Seiten als «Zeltdorf» kritisiert – löst Diskussionen über eine Neuausrichtung aus. Das OK und die Stadt sind sich uneinig und schliesslich macht die Stadt klare Vorgaben. Sie verlangt spürbare Veränderungen und es kommt zu einer Spaltung des OK.

2009

Das Weihnachtsmärchen nimmt Gestalt an

Der 22. Weihnachtsmarkt 2009 ist ein geglückter Neustart. Die neuen einheitlich und schön geschmückten Holzhäuschen auf dem Waisenhausplatz schaffen eine weihnachtliche Atmosphäre. Von allen Kreisen kommt grosses Lob. Das OK hat sich neu formiert, alte OK-Mitglieder lancieren auf dem privaten Aarefeldplatz einen eigenen Markt nach altem Muster.

In den Folgejahren kehrt Ruhe ein, der Markt hat seinen festen Platz im Advent gefunden. Von den 32 Holzhäuschen sind sieben als «Wechselhäuschen» konzipiert. 2013 kann das 25-jährige Jubiläum des Marktes gefeiert werden. 

Der 30. Weihnachtsmarkt 2017 ist wohl der längste in der Geschichte und dauert 17 Tage. Zur Feier des Jubiläums wird eine zusätzliche Reihe Häuschen aufgestellt. Hier treten verschiedene Musikanten auf und eine «Märlitante» erzählt Geschichten für die kleinen Besucher:innen. Auch wird zum Jubiläum die sehr beliebte Weihnachtsmarkt-Papiertasche kreiert.

2020

Krisen und neue Impulse

2020 leidet der Weihnachtsmarkt unter den Folgen von Covid: Der Marktbetrieb muss Auflagen einhalten – Verzicht auf Märitbeizli und Kerzenziehen. Schlussendlich wird er am 21. Dezember auf behördliche Anordnung hin vorzeitig geschlossen. Auch am 34. Weihnachtsmarkt sind die Auswirkungen von Covid noch zu spüren: Das Beizli darf nur alkoholfrei betrieben werden. Das Kerzenziehen fällt den Auflagen und personellen Engpässen beim Betreiber zum Opfer.

Nach dieser schwierigen Zeit geht der Weihnachtsmarkt neue Wege, wird grösser und noch lebendiger. Seit 2022 werden die Mühleplatzwirte in den Weihnachtsmarkt integriert. Das Stadtmarketing mietet eine Eisstockbahn, die durch drei Wirte betrieben wird. Zur Verbindung zum Waisenhausplatz stehen neu auf der Brücke acht weitere Holzhäuschen. Das Kerzenziehen und die Feindekoration aller Häuschen übernimmt UND Generationentandem, die grobe Dekoration wird durch die Hornussergesellschaft Heimberg sichergestellt.

2026

Ein Adventsmärchen, das weiterlebt

Heute ist der stimmungsvolle Thuner Weihnachtsmarkt ein Ort, wo sich Menschen begegnen, wo Gemeinschaft erlebt und gelebt wird und wo die Besucher:innen die Hektik des Advents-Alltags hinter sich lassen können. Der Markt ist zu einer Thuner Weihnachtstradition geworden, die mit jeder Geschichte, jedem Häuschen und jedem Lächeln weitergeschrieben wird.

Text: Marianne Scheuter, Oktober 2025